Ausgabe Juli 2009

Obama: Neuanfang in Kairo

Die lang erwartete Rede, mit der Präsident Barack Obama sich in Kairo an die islamische Welt wandte (vgl. die Dokumentation in diesem Heft), zeichnet sich durch die gleiche Qualität aus wie seine früheren großen Reden: Hier spricht ein Erwachsener zu Erwachsenen. Versprochen hatte er zu sagen, was er denkt, und genau so hielt er es bei allen angeschnittenen Themen.

Für Ägyptens Regierung war Obama kein bequemer, wenngleich ein höflicher und aufrichtiger Gast. Er sprach Dinge aus, die viele seiner Zuhörer, darunter sein Gastgeber, Präsident Hosni Mubarak, lieber nicht gehört hätten. Dem Präsidenten riet er durch die Blume zu einer nicht repressiven Innenpolitik, freie Meinungsäußerung inklusive – eine Empfehlung, welche der Karriere Mubaraks, leistete er ihr Folge, ein Ende machen und die seines Sohnes und mutmaßlichen Nachfolgers abwürgen könnte.

Obamas aktuell gewichtigste Positionsbestimmung in Kairo bestand indes darin, dass er unerbittlich seine Überzeugung wiederholte, Israel müsse seiner im Roadmap-Abkommen eingegangenen Verpflichtung gemäß den Ausbau der jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten einstellen. Zudem sei ein unabhängiger Palästinenserstaat zu schaffen.

Diese unmissverständliche Feststellung ist für die Regierung Netanjahu ein schwerer Schlag.

Sie haben etwa 20% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 80% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Naher & Mittlerer Osten

Iran: Das geopolitische Erdbeben

von Franziska Fluhr

Noch im Januar beherrschte der USA-Iran-Konflikt die Überschriften der internationalen Berichterstattung. Nun aber ist der Konflikt durch die Corona-Pandemie nahezu vollständig von der Bildfläche verschwunden. Daraus zu schließen, die Auseinandersetzungen hätten sich beruhigt, wäre nicht nur naiv, sondern auch fatal. Denn das Gegenteil ist der Fall.