Ausgabe April 2010

Integration durch Konflikt: Der Streit um das Minarett

Mit der Schweizer Minarettentscheidung hat die Islamdebatte auch in der Bundesrepublik wieder neuen Auftrieb erfahren. Die Grenzen der Integrationsfähigkeit des Islam und die Frage des Schutzes der westlichen Kultur sind prägende Stichworte dieser Debatte. Für die weitere friedliche Entwicklung in der Bundesrepublik ist es von zentraler Bedeutung, inwieweit es gelingt, eine sachliche und differenzierte Debatte zum Thema Islam und Integration zu führen.

In diesem Zusammenhang hat sich jetzt auch Josef Isensee des Themas angenommen. Unter dem Titel „Integration als Konzept: Die Grenzen der Toleranz“ behauptete er in der letzten Ausgabe der „Blätter“ die „Integrationsresistenz des Islam“, die bei ihm zur Schicksalsfrage der Demokratie wird: „Der Rechtskultur des Westens zittern die Knie“.[1] Sein Beitrag trägt damit nichts zur Versachlichung der Debatte bei. Im Gegenteil: Isensee setzt gezielt auf eine konfrontative Zuspitzung bei gleichzeitiger Problemverkürzung. Das soll an dieser Stelle exemplarisch an seinen Ausführungen zum Thema Minarett verdeutlicht werden.

Das Minarett ist bereits seit längerem Gegenstand islamkritischer Beiträge.

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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