Ausgabe August 2010

Sprengsatz Philosophie

Die Legitimationskrise der iranischen Theokratie

Seit dem Sommer letzten Jahres steckt die Islamische Republik Iran in ihrer bisher größten Legitimationskrise. Aus den Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009 ging Mahmud Ahmadinedschad als Sieger hervor – so behauptet es jedenfalls die amtierende Regierung und mit ihr die höchste religiös-politische Instanz des Landes, Ayatollah Ali Khamenei. Die Opposition hingegen sagt das Gegenteil. Ihrer Meinung nach ist Mir Hussein Mussawi der Sieger der Wahl und Irans rechtmäßiger Präsident.

Dass die Wahl gefälscht wurde, ist jedoch längst nicht mehr der einzige Vorwurf der Opposition. Die Kritik reicht viel tiefer und betrifft auch nicht mehr nur Ahmadinedschad. Sie zielt auf das eigentliche Staatsoberhaupt der iranischen Theokratie. Iran wird hier deshalb als Theokratie bezeichnet, weil das Regime selbst sich als Gottesherrschaft versteht. In den Augen der Theoretiker dieses System, die zurzeit an der Macht sind, wird die Staatsgewalt von einer Person ausgeübt, die von Gott selbst erwählt ist. Dieser Mann ist Ali Khamenei.

Der Vorwurf, den ihm die Opposition macht, ist der schlimmste, der im schiitischen Kontext erhoben werden kann: dass seine Herrschaft ungerecht sei. Insofern greift es viel zu kurz, die „grüne Bewegung“ ausschließlich als Freiheitsbewegung zu apostrophieren, wie es gegenwärtig in den Medien regelmäßig geschieht.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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