Die Tötung Osama bin Ladens hat schlagartig die Bilder von 9/11 ins Gedächtnis gerufen und damit auch die Tatsache, welch globalen Einschnitt der 11. September 2001 bedeutete – für die islamische Welt, aber auch und besonders für ihre Wahrnehmung im Westen. Angesichts der aktuellen Bilder aus Tunesien und Ägypten, aus Libyen und Syrien, wo Hunderttausende für ihre demokratischen, individuellen Menschenrechte auf die Straße gehen und dafür nicht selten den Tod riskieren, erscheint es wie eine tragische Posse, dass die ganze arabische Welt fast zehn Jahre lang – eben seit 9/11 – im Westen nur unter dem Vorzeichen von Terror und fundamentalistischer religiöser Gewalt wahrgenommen wurde.
9/11 bedeutete eine Zäsur auch für den Westen. Mit dem 11. September begann eine Politik der Angst, von der sich der Westen insgesamt und insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika bis heute nicht erholt haben.
Von Osama bin Laden als Wiedergänger Hitlers oder Stalins war nach 9/11 umgehend zu hören, von „Islamo-Faschismus“ und der Wiederkehr des „absolut Bösen“. Insofern nimmt es nicht Wunder, dass das „Time Magazine“ seine Ausgabe zum Tode bin Ladens in exakt derselben Weise betitelte wie nach dem Tode Adolf Hitlers – mit dem Kreuz über dem Konterfei zum Ausdruck der Auslöschung.