Ausgabe März 2011

Kaukasischer Krisenkreis

Der Terroranschlag auf dem größten Moskauer Flughafen Domodedowo mit 35 Toten hat einmal mehr gezeigt: Der Nordkaukasus, die mutmaßliche Heimat der Terroristen, ist heute für Russland zur größten Herausforderung geworden. Es besteht die Gefahr, dass Moskau die ganze Region verliert. Doch hinter dem religiös verbrämten Konflikt verbirgt sich die Auseinandersetzung verzweifelter Bürger mit einer zynischen und gnadenlosen Staatsobrigkeit, die im Interesse von Macht und Besitz brutal gegen Opponenten vorgeht und so die Probleme verschärft, die sie eigentlich überwinden helfen soll.

Und das betrifft keineswegs nur Tschetschenien. Überall in der Region breitet sich der Widerstand aus – nicht zuletzt in Dagestan. In der kleinen russischen Republik zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer werden täglich Menschen erschlagen, erschossen oder in die Luft gesprengt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit finden selbst in Machatschkala, der Hauptstadt Dagestans, wilde Straßenschlachten statt, weil immer wieder Untergrundkommandos aus den Bergen herabstoßen und versuchen, ihre radikale Form von islamischer Lebensweise herbeizubomben. Die Gesetze Allahs, so die Überzeugung der Terroristen, lassen solche Taten zu: wenn es gegen das Böse in Moskau, wo ein satanisches MafiaRegime sitze, und um die Durchsetzung des islamischen Glaubens gehe.

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