Ausgabe November 2011

Der neueste Stillstand in Nahost

Dass die historische Rede des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, mit der dieser am 23. September die offizielle Anerkennung Palästinas als Staat und UN-Mitglied beantragte, auf entschiedene Ablehnung des israelischen Regierungschefs stoßen würde, war bereits vorher klar. Und dennoch war dessen rüde Verurteilung dieses angeblich „absurden Theaters“ in der „Halle der Finsternis“ namens UNO von erstaunlicher Inkonsequenz: Schließlich war es erst die zionistische Besiedelung und Staatsgründung gewesen, die auch unter den Palästinensern das nationalstaatliche Programm mit unwiderstehlicher Macht durchgesetzt hatte.

Die anschließend bekanntgegebene Absicht Benjamin Netanjahus, den Bau weiterer 1100 Wohneinheiten in Ostjerusalem zu erlauben, hat daher nicht nur die US-amerikanische, weiter treu an der Seite Israels stehende Regierung zu Recht erbost. Dabei wurde mit dieser israelischen Erklärung nur beglaubigt, was alle wissen und wider besseres Wissen verschweigen: Die Regierung Netanjahu will weder Frieden noch einen palästinensischen Staat, sondern glaubt, die Sache noch 10 bis 15 Jahre lang aussitzen zu können und damit tatsächlich irreversible Fakten zu schaffen.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: Aminatou Haidar (imago images / TT)

Westsahara: Afrikas letzte Kolonie

von Aminatou Haidar

Seit 56 Jahren steht das Thema auf der Agenda der Vereinten Nationen. Jetzt hat der UN-Sicherheitsrat beschlossen, das Leiden der Menschen in der Westsahara, der letzten Kolonie Afrikas – flächenmäßig größer als Großbritannien, aber eingezwängt zwischen Marokko, Algerien, Mauretanien und dem Meer –, weiter zu verlängern.

Vermummter Mann mit Sonnenbrille und Helmkamera

Bild: imago images / UPI Photo

Nach Trump: Aussichten auf den Bürgerkrieg

von Alexander Hurst

Donald Trump wird für seine plumpen Hasstiraden in den sozialen Netzwerken zuweilen belächelt. Unter seinen Anhängern gibt es etliche, die diese durchaus wörtlich nehmen und vor Gewalt nicht zurückschrecken. Bei einer Amtsenthebung oder Abwahl Trumps könnte aus den Drohungen schnell bitterer Ernst werden.