Ausgabe September 2011

Epochenjahr mit Fallstricken

Was die Arabellion dem Westen abverlangt – und was sie ihm eröffnet

Die Epochenwende, die zu Beginn des Jahres 2011 noch niemand erahnen konnte, hat im Spätsommer 2011 unkontrollierbare Ausmaße angenommen. Drei der am längsten regierenden arabischen Despoten, der Tunesier Ben Ali, der Ägypter Hosni Mubarak und der Libyer Muammar al-Gaddafi, wurden von ihren Völkern aus dem Amt vertrieben; Mubarak wird gegenwärtig sogar der Prozess gemacht.

Und der endgültige Abgang eines weiteren Diktators ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit: Jemens Präsident Saleh liegt nach einem Anschlag seit Anfang Juni schwerverletzt in einem saudi-arabischen Hospital. Über Videobotschaften versucht er zwar, in das Geschehen in seinem Land einzugreifen; er wird aber nur noch als Marionette seiner nach der Macht strebenden Söhne und der mit ihnen verbündeten Stämme wahrgenommen. Die vor dem Attentat langwierig mit ihm ausgehandelte freiwillige Übergabe scheiterte an seinem Starrsinn. Die Bildung einer Übergangsregierung unter Beteiligung der Opposition scheint unmöglich. Die Opposition selbst ist zu schwach und zu unentschlossen, um die Macht zu übernehmen. Das Land driftet daher mehr und mehr in die Unregierbarkeit ab.

In Bahrain dagegen, dem kleinen Inselstaat an der Westküste des Persischen Golfs, wurden die Proteste der politisch und wirtschaftlich marginalisierten schiitischen Bevölkerungsmehrheit mit Hilfe saudi-arabischer Truppen niedergeschlagen.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Krieg im Kongo: Trump und der gordische Knoten

von Simone Schlindwein

Heute gelingt uns das, woran so viele andere gescheitert sind«, prahlte Donald Trump im Dezember 2025, als Kongos Präsident Felix Tshisekedi und dessen ruandischer Amtskollege Paul Kagame zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages im Weißen Haus eintrafen.