Ausgabe August 2012

Kapitalismus: Eine Gespenstergeschichte, 2. Teil

Der Imperialismus der Wohltäter

Die folgende Kritik mag manch einem zugespitzt erscheinen. Doch gerade ihre Schärfe lässt sich als eine Art Anerkennung derer verstehen, die ihr Leben der Aufgabe widmeten, den Kapitalismus weltweit auszubreiten und zu sichern. Man kommt nicht umhin, ihre visionäre Kraft, ihre Flexibilität, Raffinesse und unerschütterliche Entschlossenheit anzuerkennen. Insofern steht dieser Essay in der Tradition der Erkenntnis, dass man seine Gegner nicht ernst genug nehmen kann.

Die faszinierende Geschichte dieser Leute, die im zeitgenössischen Bewusstsein arg verblasst ist, begann Anfang des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten. Damals schickte sich die unternehmerische Philanthropie – in der darauf zugeschnittenen Rechtsform privater Stiftungen – an, die Tätigkeit christlicher Missionare in ihrer Funktion als Wegbereiter und Bewahrer des Kapitalismus und des Imperialismus abzulösen.

Zu den ersten Stiftungen, die in den USA entstanden, zählen die Carnegie-Stiftung und die Rockefeller Foundation. Die erstere wurde 1911 gegründet und aus Profiten der Carnegie Steel Company finanziert; die letztere stiftete 1914 J. D. Rockefeller, der Gründer der Standard Oil Company. Beide Stiftungen waren die Tatas und Ambanis ihrer Zeit.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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