Ausgabe August 2012

Kapitalismus: Eine Gespenstergeschichte, 2. Teil

Der Imperialismus der Wohltäter

Die folgende Kritik mag manch einem zugespitzt erscheinen. Doch gerade ihre Schärfe lässt sich als eine Art Anerkennung derer verstehen, die ihr Leben der Aufgabe widmeten, den Kapitalismus weltweit auszubreiten und zu sichern. Man kommt nicht umhin, ihre visionäre Kraft, ihre Flexibilität, Raffinesse und unerschütterliche Entschlossenheit anzuerkennen. Insofern steht dieser Essay in der Tradition der Erkenntnis, dass man seine Gegner nicht ernst genug nehmen kann.

Die faszinierende Geschichte dieser Leute, die im zeitgenössischen Bewusstsein arg verblasst ist, begann Anfang des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten. Damals schickte sich die unternehmerische Philanthropie – in der darauf zugeschnittenen Rechtsform privater Stiftungen – an, die Tätigkeit christlicher Missionare in ihrer Funktion als Wegbereiter und Bewahrer des Kapitalismus und des Imperialismus abzulösen.

Zu den ersten Stiftungen, die in den USA entstanden, zählen die Carnegie-Stiftung und die Rockefeller Foundation. Die erstere wurde 1911 gegründet und aus Profiten der Carnegie Steel Company finanziert; die letztere stiftete 1914 J. D. Rockefeller, der Gründer der Standard Oil Company. Beide Stiftungen waren die Tatas und Ambanis ihrer Zeit.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema