Ausgabe Juli 2013

Der große Unzeitgemäße

Zur bleibenden Aktualität Max Horkheimers

Wenn heute von der Gründergeneration der Kritischen Theorie die Rede ist, taucht der Name Theodor W. Adornos stets an erster Stelle auf, deutlich vor dem seines Mitstreiters Max Horkheimer. Auch hinsichtlich ihrer Wirkungen zeichnen sich deutliche Differenzen zwischen den beiden Protagonisten der Frankfurter Schule ab: Während Adornos vielfältige, nicht zuletzt auch die moderne Literatur- und Musiktheorie umspannenden Arbeiten bis heute eine weltweite Rezeption erfahren, kann mit Blick auf Horkheimer Vergleichbares kaum behauptet werden. Dabei war Max Horkheimer der unbestrittene Begründer und Organisator jenes Kreises hervorragender Wissenschaftler, doch blieb sein eigenes Forschungsfeld im Wesentlichen auf Sozialphilosophie und Soziologie beschränkt.

Die lebenslange Symbiose der beiden, dokumentiert durch das 1947 erschienene gemeinsame Werk „Dialektik der Aufklärung“, ist auch insofern bemerkenswert, als es sich bei ihnen um recht unterschiedliche Charaktere handelt. Im Gegensatz zu Adorno war der Stil der Horkheimerschen Arbeiten von einem nüchternen Realismus gekennzeichnet, der sich biographisch erklären lässt: Horkheimers Jugend begann mit einer mehrjährigen kaufmännischen Lehre.

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