Ausgabe Mai 2013

Gorleben soll leben?

Was für ein schönes Bild: Friedlich vereint standen Umweltminister Peter Altmaier von der CDU, der neue niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und Grünen-Chef Jürgen Trittin vor den Kameras und verkündeten den Kompromiss: Ab heute werde unvoreingenommen nach einem Endlager gesucht. Altmaier sprach von einem „Durchbruch“ und Trittin plakatierte gar einen „Großen Erfolg der Anti-Atom-Bewegung.“ Der lange Marsch aus dem Wendland, er ist in einer Kommission gelandet. Die soll jetzt ein Ruhe-Lager für den Jahrtausendmüll finden. Kein Standort soll ausgeschlossen werden. Was für ein Erfolg!
Was für ein Erfolg? Also auch nicht Gorleben soll ausgeschlossen werden. Dabei hatten Geologen bereits zu Beginn der 1980er Jahre die Eignung des Salzstocks zur Atomlagerung angezweifelt: Ein instabiles Deckengebirge und der Grundwasserkontakt sprachen schon damals gegen den Standort. Wer die Auswirkungen solcher Salzstockeigenschaften sehen will, der muss nur das Lager der Schachtanlage Asse besuchen: Er kann radioaktiv kontaminierte Salzlauge besichtigen und rund um die Asse von den auffällig häufigen Krebserkrankungen erfahren.
Zudem gibt es seit 1995 auch das Gutachten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die dezidiert auch andere Standorte für denkbar hielt.

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