Ausgabe Dezember 2014

Radikale Politik und die echte Linke

Plädoyer für eine agonistische Alternative

Am Ausgangspunkt meiner Überlegungen möchte ich zunächst eine wichtige Unterscheidung treffen. Unter den Massenmobilisierungen, die in jüngerer Zeit in liberalen, demokratischen Gesellschaften zu beobachten waren, gibt es Bewegungen, die eher traditionellen linken Mustern entsprechen, und Bewegungen, die von diesen abweichen. Breite Übereinkunft lässt sich dagegen in einem Punkt konstatieren: Die Proteste der letzten Jahre waren mehr als eine Reaktion auf die derzeitigen Sparmaßnahmen. Sie zeugen von einem tiefer sitzenden politischen Unbehagen gegenüber demokratischen Institutionen, auf deren Krise sie ein Schlaglicht werfen. Doch trotz unbestreitbarer Parallelen ist es irreführend, um nur ein Beispiel zu nennen, die spanischen Indignados und die chilenische Studentenbewegung in eine Schublade zu stecken.

In Chile haben wir es mit einer Mobilisierung von Studenten zu tun, die weitgehend im Sinne der klassischen Linken für ein besseres Bildungssystem kämpfen und konkrete Forderungen an den Staat stellen. Sie sind formal organisiert und haben gewählte Anführerinnen und Anführer, die es nicht ablehnen, mit politischen Parteien zusammenzuarbeiten. (Tatsächlich ist die wichtigste von ihnen, Camila Vallejo, Mitglied der kommunistischen Partei und mittlerweile im chilenischen Parlament.)

Ganz anders die Indignados vom Movimiento 15-M (Bewegung 15.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema