Ausgabe Mai 2015

Gewalttätigkeit ist wieder gesellschaftsfähig

Am 13. April starb im Alter von 87 Jahren der Schriftsteller und Bildhauer Günter Grass. 1999 mit dem Nobelpreis für sein literarisches Werk ausgezeichnet, war er stets auch ein eminenter homo politicus. Daher dokumentieren wir den ersten Teil seiner hellsichtigen Rede zum 1. Mai aus dem Jahre 1968 (gehalten in Hildesheim). Kurz nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke kritisiert Grass die wachsende Gewalttätigkeit in der politischen Auseinandersetzung, von rechts wie links, und plädiert für eine Hinwendung der SPD zu den Anliegen der Studentenbewegung. Wir danken dem Steidl-Verlag für die Abdruckgenehmigung (aus: Günter Grass, Essays und Reden, Band I, 1955-1979, S. 321-336, Werke: Göttinger Ausgabe Band II, Göttingen 2007; zuerst erschienen in: „Der Spiegel“, 6.5.1968, S. 52-58; auch leicht gekürzt unter dem Titel: Auch der SDS muß sich zur Einsicht bewegen lassen in: „Frankfurter Rundschau“, 3.5.1968). – D. Red.

Meine Damen und Herren, vor wenigen Jahren noch gefiel sich die Bundesrepublik als neo-biedermeierliche Gesellschaft, die, zwischen emsigem Fleiß und politischer Lethargie, Ruhe, Ordnung und Sicherheit pflegte.

Und nun auf einmal bewegt Unruhe die Deutschen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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