Ausgabe Oktober 2015

Der monströse Zauberberg

Spätestens seit dem Roman „Die Elenden von Lódz´“ (2009) gehört Steve Sem-Sandberg zu den prägnantesten Autoren Europas. Seitdem wird gefragt, ob der 1958 geborene Schwede nicht eine literarische Rekonstruktion des Ghettos unter der Naziherrschaft wagt, die nur Zeitzeugen erlaubt sein sollte. Das verweist auf ein Dilemma unserer Kultur, die an diese für Europa immer noch konstitutive Vergangenheit erinnern will, jedoch damit umgehen muss, dass immer mehr Augenzeugen sterben. Daher hilft die alleinige Vergegenwärtigung durch kanonische Werke wie jene von Primo Levi, Roman Polanski und Aleksandar Tišma nicht weiter. Irgendwann versinken auch Klassiker im Staub der Bibliotheken, bis es Namen sind, die keiner mehr kennt. Nur was durch aktuelle Beiträge tradiert wird, bleibt erhalten oder kann wiederentdeckt werden.

Dazu leistet Steve Sam-Sandberg mit „Die Erwählten“ einen wichtigen Beitrag. Er bedient sich der Mittel eines bildstarken, szenischen Romans für die Auseinandersetzung mit der Euthanasie am Beispiel einer Wiener Anstalt in der NS-Diktatur. Mit elf Jahren kommt Adrian Ziegler, der aus einem angeblich sozial und erbbiologisch „minderwertigen“ Elternhaus stammt, in die berüchtigte Klinik „Am Spiegelgrund“. Seine Aufsässigkeit, einschließlich einer Flucht, lassen ihn alle Stationen dieser Hölle durchlaufen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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