Ausgabe Oktober 2015

Ukraine als Exempel

Der Zerfall der postsowjetischen Gesellschaft

Die Ukraine kommt nicht zur Ruhe. Im Osten des Landes bleibt der Waffenstillstand äußerst fragil. Nachdem Mitte September die Außenminister der Ukraine, Russlands, Frankreichs und Deutschlands über die Krise beraten haben, treffen Anfang Oktober die Regierungschefs dieser Länder im sogenannten Normandie-Format zusammen, um noch einmal über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Derweil streiten die politischen Parteien in Kiew über die geplante größere Autonomie für die Regionen. Diese Zerreißprobe ist umso brisanter, je stärker die geopolitische Dimension des Konflikts hervortritt. Dabei geht es nicht nur um die Rolle Russlands und die Frage, wer die Hauptschuld an der verfahrenen Lage trägt. Vielmehr droht in vielen Nachfolgestaaten der Sowjetunion die Eskalation vergessener oder eingefrorener Konflikte wie im 1992 von Moldawien abgespaltenen Transnistrien. Im südlichen Kaukasus wiederum wirken ungelöste Konflikte in Georgien (Abchasien, Südossetien) sowie der Streit zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach destabilisierend. Und der russische Nordkaukasus ist seit den Kriegen in Tschetschenien (1994 bis 1996 und 1999 bis 2009) dauerhaft in eine militarisierte Ausnahmezone verwandelt worden. Dabei handelt es sich keineswegs um voneinander isolierte Phänomene, denn die kulturellen, ökonomischen und politischen Beziehungen zwischen diesen Ländern sind nach wie vor sehr eng.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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