Ausgabe April 2016

Von der Repräsentation zur Resonanz

Immer öfter wird derzeit die Krise der Demokratie beschworen. Eine rasch wachsende und kaum zu überblickende Fülle an politikwissenschaftlicher Literatur fragt, ob diese noch zu retten sei, oder ruft gleich die „Postdemokratie“ aus. Eine „düstere Stimmung in Expertenkreisen“ konstatiert denn auch Simon Tormey, Professor für Politische Theorie an der Universität Sydney. Genau dagegen wendet er sich erfrischend optimistisch in seinem Buch „Vom Ende der repräsentativen Politik“: Tatsächlich sei die Demokratie quicklebendig – zumindest, wenn man sie mit Max Frisch als die Neigung der Menschen versteht, sich in ihre eigenen Angelegenheiten einzumischen. Wenn also die Wahlbeteiligung sinkt und den politischen Parteien die Mitglieder davonlaufen, wenn das Vertrauen in Politiker schwindet und das Interesse an der „auf Wahlen ausgerichteten Mainstream-Politik“ nachlässt, dann nicht, weil die Menschen politikmüde wären. All dies zeige vielmehr: Das Prinzip der Repräsentation ist überholt. Es genügt vielen Menschen schlicht nicht mehr, alle vier Jahre zu entscheiden, wer ihre Geschicke leitet. Tormeys zentrale These lautet daher, „dass wir nicht den Tod der Demokratie erleben, sondern vielmehr ihr Wiedererstarken, allerdings nach dem Ende der Repräsentation“.

Diese Idee entwickelt Tormey in drei Schritten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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