Ausgabe Mai 2017

Gottes Güter für alle

Die verdrängte Lehre der Reformation

Zum 500. Reformationsjubiläum wird an vieles erinnert und der Reformator für vieles gelobt. Dass es bei seinem Protest zentral ums Geld ging, wird jedoch meist nicht in den Vordergrund gestellt. Dabei begann die Reformation mit der Kritik an einer ökonomischen Praxis der Kirche, nämlich dem Verkauf von Ablassbriefen. Luthers Protest hat sicher nur deswegen ein solch beispielloses Echo hervorgerufen, weil er sich nicht nur gegen theologische Positionen richtete, sondern auch gegen eine Praxis, die der Hierarchie der Kirche wichtig und zugleich immer mehr Christen suspekt war.

Luthers berühmte 95 Thesen vom 31. Oktober 1517 waren nämlich nicht der Anfang seines Aufbegehrens, sondern sie hatten einen Vorläufer: Luthers Thesen gegen die scholastische Theologie. Diese wurden bereits im Spätsommer 1517 geschrieben, gingen gleich in den Druck und waren theologisch ähnlich brisant wie die 95 Thesen – aber sie lösten eben bei weitem nicht dasselbe Echo aus, dass kurz darauf der Ablasskritik beschieden war.

Dass wir 500 Jahre später der eminent ökonomischen Seite der Lutherschen Kritik viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken, hängt wohl damit zusammen, dass die Ablasspraxis der spätmittelalterlichen Kirche weithin als ein Relikt des vermeintlich finsteren und längst überwundenen Mittelalters angesehen wird.

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