Ausgabe November 2018

Sie wussten, was sie tun

Eines Tages im Jahr 1961 stolperte ein amerikanischer Ökonom namens Daniel Ellsberg über ein Papier mit apokalyptischen Implikationen. Ellsberg, der die US-Regierung bezüglich ihrer geheimen Atomkriegspläne beriet, hatte ein Dokument entdeckt, dass eine offizielle Schätzung der Zahl der Todesopfer eines präventiven „Erstschlags“ gegen China und die Sowjetunion enthielt: rund 300 Millionen in jenen Ländern, und weltweit doppelt so viele.

Ellsberg war beunruhigt über das Vorliegen eines derartigen Plans; Jahre später versuchte er, die Details der nuklearen Vernichtung heimlich an die Öffentlichkeit zu bringen. Obwohl diese Versuche scheiterten, erlangte Ellsberg später Berühmtheit für seine heimliche Weitergabe von Unterlagen, die dann als die „Pentagon-Papiere“ bekannt wurden: die geheime Geschichte der Militärintervention der US-Regierung in Vietnam.

Amerikas amoralische militärische Planung während des Kalten Krieges findet ein Echo in der Selbstüberhebung einer weiteren Reihe von Figuren, die mit dem Schicksal der Menschheit spielen. In letzter Zeit kamen Geheimunterlagen ans Licht, aus denen detailliert hervorgeht, was die Energiebranche über die Verknüpfungen zwischen ihren Produkten und der globalen Erwärmung wusste.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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