Ausgabe Februar 2020

Der Pflege-Notfall

Hilflose, kranke oder alte Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, lässt man nicht im Stich. Diese Einstellung gehört zum Berufsethos von Pfleger*innen. Es kostet sie Überwindung, pflegebedürftige Menschen sich selbst zu überlassen und stattdessen zu streiken. Doch seitdem die personelle Situation in den Krankenhäusern und Heimen derart eskaliert ist, dass selbst bei diesem hohen ethischen Bewusstsein eine verantwortungsvolle Versorgungsqualität nicht mehr gehalten werden kann, hat bei den Beschäftigten ein Umdenken eingesetzt und sie machen vielerorts auf die prekäre Situation aufmerksam: Zu viele Stellen bleiben unbesetzt, Fachkräfte wandern ab oder ziehen sich ganz aus dem Beruf zurück, weil die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung einfach zu schlecht sind.[1] In Berlin und Hamburg setzen sich Initiativen für Volksentscheide ein, um mehr Personal in den Krankenhäusern durchzusetzen. Auch in anderen Städten arbeiten vergleichbare Bündnisse.[2]

Nach den großen Uniklinikstreiks im vergangenen Jahr in Berlin und Nordrhein-Westfalen gehen nun auch Beschäftigte von privaten Einrichtungen, die oft in großen Konzernen eingegliedert sind, auf die Barrikaden: Im Herbst 2019 legten etwa die Mitarbeiter der Schildautalklinik im niedersächsischen Seesen die Arbeit nieder. Sie fordern von ihrem Arbeitgeber Asklepios, die Gehälter an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) anzupassen.

Februar 2020

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Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

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