Ausgabe Januar 2020

Das unvollendete Triptychon

Ein Buch über Konrad Wolf ist selbst für die von Hans Magnus Enzensberger gegründete, heute von Christian Döring geleitete Andere Bibliothek ungewöhnlich. Die Publikation erzählt nicht allein von Leben und Werk des bedeutenden Filmregisseurs, sondern am Beispiel der deutsch-jüdischen Familie Wolf – ihr gehören auch der Vater und Schriftsteller Friedrich und der Bruder und Geheimdienstchef Markus Wolf an – von Aufstieg und Fall der Sowjetunion und damit vom extrem blutigen Scheitern daran, eine nachkapitalistische Gesellschaft aufzubauen. Geschrieben ist das Buch von keinem Filmwissenschaftler, sondern von der Politikerin und Publizistin Antje Vollmer und dem Liedermacher und Autor Hans-Eckardt Wenzel. Beider Sichtweisen sind nicht zu einer Synthese geführt, beider Texte sind durch unterschiedliches Papier getrennt. Fragen nach dem Scheitern der Linken oder nach dem Verhältnis von Kunst und Politik bewegen das Erzählen beider. Denn: „Wenn wir das historische Denken verlernen, geben wir alle Werkzeuge aus der Hand, um uns den Unerträglichkeiten und Ungerechtigkeiten widersetzen zu können.“ Programmatisch steht das für das Verbindende. Dennoch gibt es Kapitel, die eigenständige Essays sind, aber die Grundform ist kein Potpourri, sondern die eines Triptychons. Ein solches Bild, ob in christlicher oder weltlicher Ausformung, ist stets universell.

Januar 2020

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema