Ausgabe Juli 2020

Spanien: Die große Verfeindung

23. Mai 2020, Barcelona, Spanien: Ein Demonstrant, der während der Demonstration mit einer Pfanne und einem Löffel durch ein Autofenster Lärm macht.

Bild: imago images / ZUMA Wire

Wenn „Flatten the Curve“, also das Abflachen der Kurve, das erste Gebot staatlicher Pandemie-Bekämpfung ist, dann hat Spanien sein Ziel nur halb erreicht. Zwar konnte das von der Coronakrise besonders gebeutelte Land die Kurve der Infektionen erfolgreich senken: Vermeldete die Regierung Ende März knapp 8000 Neuinfektionen und bis zu 900 Covid-19-Tote pro Tag, so infizieren sich seit Mai täglich nur noch wenige hundert Menschen und die Zahl der Toten ist seit Juni in den zweistelligen Bereich gesunken – pro Woche.

Doch auf die Kurve der politischen Erregung hatte das keinen Einfluss: Sie steigt weiter steil an. Während im Nachbarland Portugal oder auch in Deutschland die Regierung auf die aktive Unterstützung oder zumindest wohlwollende Billigung ihrer Corona-Maßnahmen durch die Opposition setzen kann, steht Spaniens Premierminister Pedro Sánchez unter Dauerbeschuss. Der Ton wird von Debatte zu Debatte aggressiver, die Gräben zwischen Opposition und Regierung vertiefen sich zusehends.

Dabei erfordern die sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen der nächsten Monate nichts dringender als einen politischen Grundkonsens. Um bis zu 15 Prozent könnte die Wirtschaftsleistung laut der spanischen Zentralbank im laufenden Jahr einbrechen, bereits jetzt haben fast eine Million Spanier*innen durch die Pandemie ihren Job verloren. Vor den Suppenküchen und Tafeln in Madrid und Barcelona bilden sich jeden Tag lange Schlangen.

Juli 2020

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