Ausgabe Juni 2020

Corona, Klima, Schulden: Die dreifache Krise des globalen Südens

Totengräber arbeiten auf dem Friedhof von Vila Formosa in Sao Paulo, Brasilien, 18. Mai 2020

Bild: imago images / Agencia EFE

Nirgendwo in Lateinamerika und der Karibik hat Covid-19 gemessen an der Gesamtbevölkerung so viele Todesopfer gefordert wie in Ecuador. Seine größte Stadt, das Handelszentrum Guayaquil, verzeichnet einen Anstieg der Sterberate um das Fünffache; es gibt Berichte über Leichen in den Straßen. Schon 2014 war das Land in eine Rezession gerutscht, nachdem der Preis für Erdöl – seine größte Einnahmequelle – eingebrochen war. Nun fällt er erneut, angesichts von sinkender Nachfrage und Preiskriegen. Ecuador steht damit vor derart düsteren wirtschaftlichen Aussichten, dass es in Südamerika bald nur noch von Venezuela unterboten werden wird. Präsident Lenín Moreno hat sich derweil verpflichtet, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Kredit über 4,2 Mrd. US-Dollar zurückzuzahlen. Zu diesem Zweck strich er 2019 die Investitionen ins öffentliche Gesundheitssystem um 36 Prozent zusammen. Dies war Teil einer Kürzungswelle, die vergangenen Oktober landesweite Proteste auslöste. In diesem Jahr wurden im Gesundheitsministerium 3680 Menschen entlassen. Das Land ächzt unter einer Schuldenlast von 17 Mrd. Dollar, die größtenteils von der Wall Street gehalten wird. Die Regierung hat zwar eine Übereinkunft mit den Anleihegläubigern getroffen, aber diese dürfte lediglich ein Ereignis in den August verschieben, das viele bereits fürchten: den Staatsbankrott.

Juni 2020

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