Ausgabe September 2020

Berg-Karabach: Durch Eskalation aus der diplomatischen Sackgasse?

Der Ministerpräsidenten der Republik Armenien, Nikol Paschinjan, bei seinem Pressestatement vor dem gemeinsamen Gespräch mit der Bundeskanzlerin im Kanzleramt, Berlin, 13.2.2020

Bild: Nikol Paschinjan, Ministerpräsident der Republik Armenien (imago images / Jürgen Heinrich)

Als am 12. Juli Schüsse an der aserbaidschanisch-armenischen Grenze fielen, richtete sich das mediale Interesse kurzzeitig auf die Konfliktregion Kaukasus. Bei den militärischen Auseinandersetzungen, die bis zum 23. Juli anhielten, starben auf aserbaidschanischer Seite zwölf Menschen, darunter ein General; vier Armenier*innen kamen zu Tode.[1] Seither beschuldigen sich beide Seiten gegenseitig, die Attacke begonnen zu haben. Nach armenischen Angaben hat ein aserbaidschanischer Jeep versucht, den armenischen Grenzposten zu durchbrechen, woraufhin die dort stationierten Soldaten das Feuer eröffneten. Daraufhin habe der Jeep kehrtgemacht, doch kurz danach hätten aserbaidschanische Truppen versucht, den Posten einzunehmen. Dabei sei auch Artillerie zum Einsatz gekommen. Aus Aserbaidschan hieß es hingegen, die armenische Armee habe mit dem Beschuss begonnen, um aserbaidschanische Stellungen einzunehmen.

Immer wieder kommt es zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken zu Auseinandersetzungen um strategisch wichtige Anhöhen. Das Grenzgebiet zwischen beiden Ländern ist gebirgig und damit schwer zu kontrollieren. Zudem weicht der faktische Grenzverlauf oft um mehrere Kilometer vom offiziell festgelegten ab. Wer die aktuelle Eskalation zu verantworten hat, lässt sich mangels neutraler Beobachter*innen kaum abschließend klären.

September 2020

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema