Ausgabe September 2020

Mosambik: Vom Terror zum Bürgerkrieg?

Seit drei Jahren schwelt in Mosambik ein Konflikt zwischen der Regierung in Maputo und bewaffneten Terrorgruppen in der nördlichen Provinz Cabo Delgado, der nun vollends zu eskalieren droht. Ende Mai fielen Kämpfer in die mehrere tausend Einwohner zählende Stadt Macomia ein und zwangen die Bevölkerung und die Sicherheitskräfte vor Ort zur Flucht; Augenzeugen berichten von 19 Toten. Erst als die Soldaten Verstärkung von privaten Militärfirmen erhielten, konnten sie die Kontrolle über die Stadt zurückerlangen. Laut offiziellen Angaben gehören die Angreifer dem jüngsten Ableger des sogenannten Islamischen Staats (IS) auf dem Kontinent an, der sogenannten Zentralafrikanischen Provinz des Islamischen Staats (Iscap).

Seit Herbst 2017 flammte die Gewalt in der an den Süden Tansanias angrenzenden und vorwiegend muslimisch geprägten Region immer wieder auf. Die Ziele der Attacken sind religiöse, zumeist christliche Einrichtungen, staatliche Institutionen und Banken. Doch inzwischen folgen die Angriffe immer stärker einem militärischen Vorgehen. Wurden in den vergangenen Jahren vorwiegend abgelegene Dörfer angegriffen oder Armeepatrouillen in Hinterhalte gelockt, führen die Dschihadisten nun größere Operationen durch – mit entsprechend höheren Opferzahlen: Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Armed Conflict Location and Event Data Project (Acled) forderte die Gewalt in Cabo Delgado seit Ende 2017 mehr als 1200 Tote, darunter 700 Zivilisten.

September 2020

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