Ausgabe Juli 2021

Weckruf Corona: Mehr Diskurs wagen!

FFP2-Masken Corona Diskurs Kritik

Bild: IMAGO / Müller-Stauffenberg

Derweil hierzulande die dritte Coronawelle abebbt, verharrt das Infektionsrisiko in Brasilien, Indien und großen Teilen Afrikas auf einem dramatisch hohen Niveau. Ein Ende der Pandemie ist allerdings nur in Sicht, wenn sie nachhaltig eingedämmt wird. Deshalb ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Coronabekämpfung dringend geboten, fordert die Politikwissenschaftlerin Ingrid Kurz-Scherf.

Die bisherige Bilanz von Covid-19 ist auch in Deutschland erschreckend: Mehr als 90 000 Tote, großes Leid im einsamen Sterben ebenso wie in der Trauer, viele durch die Virusinfektion langfristig oder gar dauerhaft gesundheitlich Beeinträchtigte, zerstörte Existenzen und erhebliche wirtschaftliche Einbußen sowie bis heute kaum absehbare Schäden in anderen Bereichen. Und dennoch: Im Vergleich zu vielen anderen Ländern scheinen der Bundesrepublik die dramatischsten Katastrophenszenarien der Pandemie erspart zu bleiben.

Damit hat sich allerdings eine kritische Auseinandersetzung mit der Coronakrise, ihren unterschiedlichen Dimensionen, Verläufen und den darin angelegten Herausforderungen nicht erledigt. Erstens ist keineswegs gewiss, dass diese oder eine andere Pandemie die Bundesrepublik nicht erneut heimsuchen wird. Zweitens steht die Bundesrepublik unaufhebbar im globalen Zusammenhang, in dem dramatische Zuspitzungen der Pandemie möglicherweise noch bevorstehen.

Juli 2021

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.

Deutschland: Planlos in den Hitzesommer

von Nick Reimer

Nur knapp schrammte Deutschland Anfang Juli an einem neuen Hitzerekord vorbei. Mit über 35 Grad in weiten Teilen des Landes war es in der ersten Hitzewelle des Jahres flächendeckend viel zu warm. Statt aber den Klimaschutz endlich ernst zu nehmen, will die schwarz-rote Bundesregierung neue fossile Gaskraftwerke mit 20 000 Megawatt Leistung bauen.