Ausgabe November 2022

»Frau, Leben, Freiheit«

Die Kraft der Iranerinnen und ihr Kampf gegen die Theokratie

Seit dem Tod von Mahsa Amini demonstrieren täglich Tausende auf den Straßen Irans, Karaj, Alborz, 27.9.2022 (IMAGO/ZUMA Wire)

Bild: Seit dem Tod von Mahsa Amini demonstrieren täglich Tausende auf den Straßen Irans, Karaj, Alborz, 27.9.2022 (IMAGO/ZUMA Wire)

Der gewaltsame Tod von Mahsa Jina Amini im Polizeigewahrsam, nachdem sie in den Augen der Sittenwächter keinen ordnungsgemäßen Hidschab getragen hatte, hat zu den größten Protesten im Iran seit Jahren geführt. Der zentrale Protestslogan lautet „Frau, Leben, Freiheit“. Und das ist alles andere als ein Zufall. Denn die Feindschaft gegen Frauen gehört von Beginn an zu den politischen Grundpfeilern der Islamischen Republik Iran.

„Wenn die islamische Revolution kein anderes Ergebnis haben sollte als die Verschleierung der Frau, dann ist das per se genug für die Revolution“, hatte der Revolutionsführer Ruhollah Chomeini einst gesagt. Nur wenige Tage nachdem der Ajatollah aus einer Air-France-Maschine gestiegen war, seinen Fuß auf iranischen Boden gesetzt und die Regierung des letzten Monarchen gestürzt hatte, erhob er das Schwert seiner Revolution als Erstes gegen die Frauen. Fast alle Gesetze, die fünf Jahrzehnte soziale Gewinne für die Frauen bedeutet hatten, sollten seiner Idee des Islam zum Opfer fallen.

Einige Jahre vor der Revolution waren progressive Gesetze zum Schutz der Frau verabschiedet worden. Die Reformen hatten die Scharia, das islamische Recht, umgangen. Zum ersten Mal in der iranischen Geschichte kümmerten sich Familiengerichte mit Richtern, die ein juristisches Examen abgelegt hatten, und nicht Geistliche um Scheidungsfälle.

»Blätter«-Ausgabe 11/2022

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