Ausgabe Dezember 2023

Schweiz: Rechts = normal

Ein Plakat der Schweizerischen Volkspartei (SVP Schweiz) auf dem eine Beschränkung der Wohnbevölkerung gefordert wird, Niederglatt, Schweiz, 30.9.2023 (IMAGO / dieBildmanufaktur)

Bild: Ein Plakat der Schweizerischen Volkspartei (SVP Schweiz) auf dem eine Beschränkung der Wohnbevölkerung gefordert wird, Niederglatt, Schweiz, 30.9.2023 (IMAGO / dieBildmanufaktur)

Nach der eidgenössischen Parlamentswahl vom 22. Oktober zeigte sich die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung umgehend in den Schlagzeilen: „Wo Angst vor Fremden schon Folklore ist“, titelte etwa der nicht gerade als Speerspitze linker Publizistik bekannte „Focus“, um dann mit einer drastischen Feststellung fortzufahren: „Im radikalen, reichen Idyll zeigt die Schweiz ihr hässliches Gesicht.“[1] Ähnliches war in der internationalen Presse vielerorts zu lesen.

Ganz anders das Bild im Alpenland selbst: „Die Schweiz ist wieder normal“, frohlockte das führende Boulevardblatt „Blick“,[2] „zurück zum Altbewährten“, konstatierten die Diskutant:innen vieler Talkrunden in Funk und Fernsehen. So als ob es völlig normal sei, dass die rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei (SVP) mit knapp 28 Prozent der Stimmen das drittbeste Ergebnis ihrer Geschichte erzielte – und das, trotz einer, wie die staatliche Antirassismuskommission im Wahlkampf kritisierte, „fremdenfeindlichen und hetzerischen“ Kampagne,[3] wegen der sogar Strafanzeige eingereicht worden war. Und zudem trotz offener Flanke der SVP zum rechtsextremen Rand der Gesellschaft.

Eine „Rückkehr zur Normalität“ hatten die Medien auch schon 2015 herbeigeschrieben, als die Rechtspopulist:innen so viele Stimmen geholt hatten wie nie zuvor.

»Blätter«-Ausgabe 12/2023

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema