Ausgabe Oktober 2024

Nach außen wie nach innen: Israels doppelter Existenzkampf

Teilnehmerin einer Demonstration für einen Geisel-Deal in Jerusalem. Auf ihren Händen steht »Deal now!«, 2.9.2024 (IMAGO / Middle East Images / Yahel Gazit)

Bild: Teilnehmerin einer Demonstration für einen Geisel-Deal in Jerusalem. Auf ihren Händen steht »Deal now!«, 2.9.2024 (IMAGO / Middle East Images / Yahel Gazit)

Seit einem Jahr, seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023, kämpft Israel um sein Überleben. Mit 1200 Ermordeten und 250 Entführten hatte dieser Angriff eine Dimension, die einem deutschen Beobachter erst verständlich wird, wenn er diese Zahlen auf sein Land überträgt. Wie würde Deutschland reagieren, wenn es einen Überfall mit etwa 12 000 Ermordeten und 2500 in Geiselhaft entführten Menschen erleben würde?

Doch die existenzielle Tragödie des 7. Oktober lässt sich nicht nur aus den verheerenden Zahlen verstehen. Denn der israelische Kampf findet auch auf einer metaphysischen Ebene statt. Schon lange vor dem 7. Oktober suchte Israel nach einer neuen Definition des Zionismus, die den Staat in die Zukunft tragen kann. Erst diese Krise des Zionismus, die Krise der liberalen Demokratie, hat Israel so geschwächt, dass die Hamas ihren genozidalen Überfall ausführen konnte.

Ihre Attacke war nur möglich, weil der gesamte israelische Sicherheitsapparat und die Politik versagt hatten, bis hinauf in die höchsten Ebenen. Damit aber brach der Staat Israel seinen ungeschriebenen Pakt mit dem gesamten jüdischen Volk: dafür zu sorgen, dass Juden nie wieder dasselbe erleiden und erdulden müssen wie in den zwei Jahrtausenden, als sie keinen eigenen Staat hatten. Nun fand der größte Massenmord an Juden nach Auschwitz ausgerechnet auf israelischem Boden statt.

»Blätter«-Ausgabe 10/2024

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