Ausgabe November 1997

Tiger in Not

Die Ereignisse der letzten Monate auf einigen asiatischen Finanzmärkten brachten das internationale Geldgewerbe mal wieder ins Gerede. Gewaltige Ziffern mit einer kaum noch nachvollziehbaren Anzahl Nullen werden täglich mit dem Ziel bewegt, neues Geld zu machen. Die gesellschaftliche Nützlichkeit dieser Veranstaltung braucht nicht begründet zu werden - was die sensibleren Akteure dazu veranlaßt, einen Teil des auf diese Weise verdienten Geldes mildtätigen Zwecken zukommen zu lassen. Die im Frühsommer ausgebrochene Krise einiger asiatischer Währungen und Börsen lieferte der Debatte über die Frage der Nützlichkeit bzw. Gefährlichkeit der Entwicklung der internationalen Finanzmärkte neuen Stoff. Wieder, wie schon im Fall Mexikos, traf es Länder, die gerade dabei sind, den Sprung aus der krassen Unterentwicklung zu vollziehen - und deren Erfolge als Beleg dienen, daß der Markt das globale Problem der Unterentwicklung lösen kann. Es besteht allerdings die Gefahr, daß die allgemeine Problematik der verselbständigten Finanzmärkte hinter personalisierten Schuldzuweisungen an "Spekulanten" rasch wieder verschwindet.

November 1997

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