Ausgabe Juli 2000

Streitfall Wiedergutmachung

Erinnerungen einer Zeitzeugin

55 Jahre ist es her, dass Hunderte von KZs und Zwangsarbeiterlagern von alliierten Siegertruppen befreit und abertausende geschundener, verelendeter, kaum noch überlebensfähiger, zu Skeletten abgemagerter Häftlinge in eine kaum noch erhoffte Freiheit hinauswankten. Hunderttausende von ihnen, die aus osteuropäischen Staaten deportiert worden waren, wurden in sogenannten DisplacedPersons-Lagern "aufgefangen", wo sie - oft über Jahre - vegetierten, bevor sie, vielfach unfreiwillig, in ihre (zumeist kommunistisch gewordene) Heimat zurückkehrten oder in die USA oder nach Israel auswandern konnten. 55 Jahre ist es her, dass wir besiegten, oft unbehausten NachHitler-Deutschen begannen, Trümmer und Schutt unserer Städte wegzuräumen und - mit unserem eigenen Elend voll und ganz beschäftigt - nur zögernd, oft widerstrebend oder gar ablehnend zur Kenntnis nehmen mussten, welche unvorstellbar unmenschlichen und mörderischen Verbrechen in deutschem Namen - zumeist von Deutschen - in Europa begangen worden waren, und dass es nun an uns, den Überlebenden der Nazi-Diktatur, sein würde, an unseren Opfern "wiedergutzumachen" (ein Begriff, der mir seit damals nur schwer über die Lippen kommt, weil es doch nie wieder gutzumachen sein würde), was man ihnen angetan hatte.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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