Ausgabe Juli 2001

Bittere Wahrheiten in Nahost

Der historische Kompromiß von Oslo 1993 war ein mutiger Schritt, auch wenn ausgeklammert blieb, wie denn eine endgültige Regelung aussehen sollte. Für weite Teile der palästinensischen Gesellschaft waren die Vereinbarungen unmittelbarer Ausdruck des bevorstehenden Endes der Besatzung und der baldigen Erringung nationaler Selbstbestimmung. Welcher Preis dafür zu entrichten sein würde, machten sie sich nicht völlig klar: Oslo implizierte das Ende des jüdisch-palästinensischen Konflikts, mithin den Verzicht auf alle weiteren Forderungen an Israel, und den Abschied von den Träumen, die Flüchtlinge konnten zurückkehren und in einem Palästina leben, wie es vor 1948 existiert hatte. Eine abschließende Lösung sollte die nationale Unabhängigkeit bringen, der erhebenste Moment in der Geschichte der palästinensischen Nationalbewegung.

Doch ein solcher Sieg würde zugleich die Niederlage dieser Bewegung vor Augen führen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Palästina dominierte, ihre Vorherrschaft 1948 einbüßte und sich nun, Anfang des 21. Jahrhunderts, mit 22% des einstigen Palästina begnügen muß.

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