Ausgabe Juli 2009

Feuerkopf der Demokratie: Helmut Ridder (1919-2007)

„Ein Feuerkopf“ – so bezeichnete einst Helmut Ridder einen seiner wohl begabtesten und ihm besonders nahestehenden Schüler in einem Nachruf auf den früh verstorbenen Hans Copic vor mehr als 40 Jahren. Ein Feuerkopf war Ridder jedoch vor allem selbst: ein Mann des präzisen, strengen und unbestechlichen Denkens, stets befeuert von der Leidenschaft für die öffentlichen Angelegenheiten. Die politische Passion des langjährigen „Blätter“-Mitherausgebers war genau das – ein Leiden an den politischen Verhältnissen, durchaus aber kein Erdulden. Das war seine Sache nicht. Den restaurativen Verhältnissen der frühen Bundesrepublik, die in der gegenwärtigen Jubelstimmung zum 60. Geburtstag von Grundgesetz und Republik allzu oft verdrängt werden, begegnete er eher mit der intellektuellen Offenheit und Frische, vermischt vielleicht sogar mit ein wenig Naivität eines aufmerksamen und sensiblen Zeitgenossen, der frappiert war über die politische Blindheit, Ignoranz und Verstocktheit, mit der die politischen und juristischen Eliten jenen Mief erzeugten, an der die ihm folgende Generation der 68er glaubte, ersticken zu müssen.

So entzündete die Politik in ihm polemische Fähigkeiten, die oft in einem frappanten Gegensatz zu seinem durchaus konservativ-professoralen Habitus standen. So wenig wie ein duldendes hatte er aber auch kein strategisches Verhältnis zur Politik und den in ihr wirkenden Kräften.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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