Ausgabe August 2009

Europas Rechte macht mobil

Erlebt Europa den erneuten Aufstieg des Nationalismus? Oder hat sich bei den Europawahlen Anfang Juni eine Reihe von nationalen Denkzetteln zu einem europäischen Ergebnis summiert? Wie auch immer man darauf antwortet, fest steht, dass rechte Parteien teils dramatisch zugelegt haben.

Erlebt Europa den erneuten Aufstieg des Nationalismus? Oder hat sich bei den Europawahlen Anfang Juni eine Reihe von nationalen Denkzetteln zu einem europäischen Ergebnis summiert?

Wie auch immer man darauf antwortet, fest steht, dass rechte Parteien teils dramatisch zugelegt haben. Sie profitieren von innenpolitischen Krisen wie in Großbritannien oder Ungarn und segeln vor dem Wind des Euroskeptizismus. In den Niederlanden etwa nähren sich die Rechtspopulisten um Geert Wilders von der Debatte um die Zukunft der multikulturellen Gesellschaft. Aber sie bedienen auch die gewachsene Unzufriedenheit mit der EU: Laut einer Studie der Universität von Amsterdam betrachten 60 Prozent der Niederländer die europäischen Institutionen als „Geldverschwendung“. 1 Dementsprechend will Wilders das Europaparlament langfristig abschaffen, Bulgarien und Rumänien ausschließen, die Türkei gar nicht erst aufnehmen.

Neue rechtskonservative EP-Fraktion

Europamüde zeigt sich auch ein Teil der politischen Eliten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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