Ausgabe Dezember 2009

APO 2.0

Für die Revolutionierung des Alltags wider die Klimakrise

Wie umweltfreundlich ist Demokratie, und wie demokratiefreundlich ist der Klimawandel? Lange schien sich diese Frage von selbst zu beantworten: Die Regierungspraxis, aber auch die Forschung zur Umweltpolitik ließen zu dem beruhigenden Schluss kommen, „dass Demokratie die besseren Voraussetzungen für Umweltpolitik bietet als Autoritarismus […]. Das bedarf gar keiner Erklärung.“ 1 Gilt also Winston Churchills Diktum von 1947, die Demokratie sei „die schlechteste aller Regierungsformen mit Ausnahme aller anderen“, auch in klimapolitischer Hinsicht?

Der Blick auf den kommenden Klima-Gipfel in Kopenhagen gibt nicht allzu viel Anlass, diese Frage rundweg zu bejahen. Die bereits 2005 zur Leitlinie der EU-Klimapolitik erklärte und mittlerweile von über 100 Staaten als Richtlinie für ihre Klimapolitik angenommene Zwei-Grad-Grenze wird erneut deutlich verfehlt werden. Obwohl die EU, Norwegen, Chile und einige wenig entwickelte Länder das Zwei-Grad-Limit weiter hochhalten, können sich die demokratisch regierten USA, aber auch Russland und Schwellenländer wie China und Indien nach wie vor nicht dazu durchringen. Die Verhandlungen von Kopenhagen werden, wie so viele internationale Konferenzen vor ihnen, erneut ein verheerendes Bild abgeschotteter Gipfeldiplomatie hinterlassen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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