Ausgabe August 2016

Populismuskritik ohne Tiefgang

In der April-Ausgabe der »Blätter« analysierte der Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller den »Aufstieg des Populismus« als eine Schattenseite der repräsentativen Demokratie. Doch seine Analyse hat entscheidende Schwachstellen, kritisiert der Soziologe und Lateinamerikawissenschaftler Dieter Boris.

Jan-Werner Müllers Erklärung des Populismus besticht zunächst durch seinen erfrischend lockeren Zugriff und seine klaren Aussagen. Dem herrschenden Eindruck eines anscheinend unaufhaltsamen Vorrückens dieser politischen Erscheinung möchte der in Princeton lehrende Politikwissenschaftler entgegentreten und dem Leser begriffliche sowie theoretische Orientierungen an die Hand geben, die es erlauben, „Populismus“ trennscharf zu erkennen und zu analysieren. Eine „kritische Theorie des Populismus“ bedürfe, so Müller, einer „demokratietheoretischen Rückversicherung“. Damit soll der Populismus vom alles mögliche enthaltenden „Kampfbegriff“ auf die lichten Höhen der Wissenschaft geführt werden. Erst auf dieser Grundlage sei ein angemessener (politischer) Umgang sinnvoll und erfolgversprechend.

Müllers Kernthese lautet: Populismus ist eine Politikauffassung, die nicht nur eine strikte Anti-Establishment-Haltung, sondern auch einen strukturellen Antipluralismus einschließt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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