Ausgabe Oktober 2017

Auf dem Weg zum Wirtschaftsimperium: Chinas neue Seidenstraße

Vor zwanzig Jahren entwarf der einflussreiche US-amerikanische Politikwissenschaftler Zbigniew Brzeziński die Vision einer „Transeurasischen Sicherheitsarchitektur“ entlang einer neuen Seidenstraße aus Pipeline- und Handelsrouten, Wirtschaftsniederlassungen, Militärbasen und prowestlich regierten Ländern. Sie sollte weite Teile Asiens mit einer ausgedehnten Europäischen Union und einer expandierenden Nato verbinden – unter Ausschluss Russlands. Auch China könnte, so die Vorstellung Brzezińskis, irgendwann einmal in diese Struktur integriert werden.[1] Es blieb bekanntermaßen bei der Vision. Ausgerechnet die Wirtschaftsmacht China verwirklicht diese Idee nun und rollt Eurasien von der anderen Seite, von Osten her, auf. Im September 2013 präsentierte Staats- und Parteichef Xi Jinping offiziell die chinesische „Belt and Road Initiative“, besser bekannt als die „Neuen Seidenstraßen“.[2] Seither gilt sie als sein innen- und außenpolitisches Prestigeprojekt. Mit ihr will die Regierung an Chinas einstige globale Bedeutung anknüpfen und entwirft einen Bauplan zukünftiger Größe.

Die bislang vorliegenden, noch recht groben Skizzen der chinesischen Planer[3] zeichnen in kühnen Strichen mehrere Routen bzw.

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