Bild: Zwei Männer tragen einen nachgebildeten Sarg während des »Wolhynien-Marsches«. Polens Gedenken an das Wolhynien-Massaker von 1943 belastet die Beziehungen zur Ukraine, 5.7.2026 (IMAGO / ZUMA Press Wire)
Präsident Karol Nawrockis konfrontativer Amtsstil sorgt in Polen regelmäßig für Schlagzeilen. In weniger als einem Jahr blockierte der Präsident mittels Veto 37 Gesetzesvorhaben der Regierung unter Premierminister Donald Tusk – ein neuer Rekord. Der vorherige Spitzenreiter Aleksander Kwaśniewski votierte gegen »nur« 35 Vorhaben während seiner zehnjährigen Amtszeit. Die Frage nach dem nächsten Veto ist somit ein medialer Dauerbrenner. Ungewöhnlich wurde es jedoch, als Nawrocki der »New York Times« oder auch »Al Jazeera« eine Schlagzeile wert war. So am 19. Juni, als der polnische Präsident bekannt gab, seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj Polens höchste Ehre, den Orden des Weißen Adlers, abzuerkennen.
Zuvor hatte Selenskyj einer ukrainischen Militäreinheit erlaubt, den Namen »Helden der UPA« zu tragen. In Polen steht die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) nicht wie in der Ukraine für den antisowjetischen Kampf um Unabhängigkeit, sondern für die während des Zweiten Weltkriegs verübten Massaker an zehntausenden polnischen Zivilisten in Wolhynien. Nawrocki erklärte, in dieser Angelegenheit hätte die Ukraine die »Schmerzgrenze überschritten«.
Tusk versuchte vergeblich, die Wo-gen zu glätten, und argumentierte, dieser Konflikt würde doch nur Wladimir Putin freuen. Die Tagesschau schrieb über die Ereignisse: »Zwischen Polen und der Ukraine ist ein Geschichtsstreit eskaliert«.