Ausgabe November 1990

Die DDR in uns

Ich würde mich lieber mit England vereinen, monarchistisch denken und an meiner romantischen Idee von gestandener Demokratie festhalten, von der sie auf der Insel sagen, sie wäre dem englischen Rasen vergleichbar: 200 Jahre lang wachsen lassen, Voraussetzung ist tägliche Pflege und ein entsprechendes Klima. Natürlich ist es anders gekommen, und ich finde mich mit historisch offenbar angemesseneren Lösungen ab. Der politische Pragmatismus siegt immer, vor allem, wenn er die Majorität vertritt. Geradezu automatisch werden auf diese Weise diverse Minoritäten marginalisiert.

So ist der Lauf der Geschichte, dem Sonderwege und eigene Pfade eingepflanzt werden. Die Idee aber wird erst dann zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift, und das hat sie wieder einmal getan. Gleich wird alles anders sein, sagen die einen, während andere sich in abwartendes Schweigen hüllen. Ich denke in meiner mir üblichen Art verquer und weiß, daß Wunder etwas länger dauern. Reale Entwicklungsprozesse jedoch sind Konsequenzen in einer Logik, die internen wie äußeren Ursachen verpflichtet ist. Was daraus wird, wenn ökonomische Gesetze über Jahrzehnte nicht ernst genommen werden, haben wir zur Genüge erfahren.

Eines ist sicher: für die Zukunft ist mit Wirtschaftsrationalität zu rechnen.

November 1990

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