Ausgabe März 1991

Die PLO hat schon verloren

 Wann und wie Saddam Hussein diesen Krieg verliert, steht noch nicht fest. Ein Verlierer ist jedoch bereits auszumachen: die PLO. Die zeitliche Nähe zwischen dem Beginn des Krieges und dem Mord an drei PLO-Politikern in Tunis war dafür das erste Anzeichen.

Doch langsam und der Reihe nach: Die PLO und die Palästinenser stehen im Golfkrieg auf seiten Saddam Husseins. Diese Haltung teilen sie unterdessen mit dem allergrößten Teil der Bevölkerungen der arabischen Staaten, wenn auch nicht mit deren Regierungen. Saddam Hussein hat sich mit seiner Weigerung, die Resolutionen des Weltsicherheitsrates bedingungslos zu erfüllen - eine Vorstellung, die in der Terminologie der US-Administration als "Verhandlungen" figuriert -, als Fürsprecher der Entrechteten und Gedemütigten angeboten. Er trat gewissermaßen stellvertretend für sie an, ihnen ihre Würde wiederzugeben, indem er vor der Weltmacht USA nicht buckelte.

Mit seinem Angebot vom 12. August, seine Besetzung Kuwaits, bzw. dessen Räumung mit den anderen Okkupationen in der Region zu verknüpfen, vor allem den von Israel besetzten Gebieten, aber auch dem von Syrien besetzten Libanon, zielte er natürlich in besonderer Weise auf die Palästinenser, vor allem diejenigen in den besetzten Gebieten selbst. Deren Lage war zu diesem Zeitpunkt alles andere als rosig zu nennen.

März 1991

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.