Ausgabe Februar 1993

Die Fiktion des Fundamentalismus

Von der Normalität islamistischer Bewegungen

Die politischen Entwicklungen im arabischen Raum, insbesondere die Erfolge des sogenannten islamischen Fundamentalismus, sind wiederholt Gegenstand von "Blätter"-Beiträgen gewesen. Im vergangenen Jahr stand dabei die Situation in Algerien im Vordergrund, wo in der ersten Runde der nachträglich annullierten Parlamentswahlen die Islamische Rettungsfront zur stärkten politischen Kraft avancierte (vgl. Sigrid Faath und Hanspeter Mattes, Keine Demokratie für die Feinde der Demokratie? Algeriens Dilemma im Umgang mit dem islamischen Fundamentalismus, in: "Blätter", 3/1992, S. 281 ff., und Claus Leggewie, Algerien: Zwischen den Fronten. Islam und Demokratie nach 30 Jahren politischer Unabhängigkeit, in: "Blätter", 9/1992, S. 1078). Eine von gängigen westlichen Vorstellungen des "islamischen Fundamentalismus" abweichende Sicht vertritt im nachstehenden Beitrag Volker Perthes. Der Autor, 1991/92 Assistenzprofessor an der Amerikanischen Universität in Beirut und zur Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik in Ebenhausen, hält den politischen Islam für eine im internationalen Maßstab "relativ normale" Erscheinung, die sich durchaus mit dem Konservatismus in der westlichen Welt vergleichen lasse. Seine Thesen stellen wir zur Diskussion. D. Red.

Februar 1993

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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