Ausgabe Mai 1996

Erfahrungsvorsprung

Von Pfundgewichten und hundertjährigen Kalendern

Von Pfundgewichten und hundertjährigen Kalendern

Von Friedrich Dieckmann Vom "Erfahrungsvorsprung der DDR, dieses vorauseilenden der deutschen Staaten", spricht Friedrich Dieckmann in dem nachfolgenden Essay. 1) Und bei der europäischen Umwälzung von 1989 sieht er die Ostdeutschen, "nicht unähnlich den Franzosen von 1789", in der "Pionierrolle". Westlicher Vorgaben einer nachholenden Modernisierung unverkennbar überdrüssig, unternimmt der Verfasser es, den Spieß auch gegenüber der "alten" Bundesrepublik umzudrehen: "Der Erfahrungsvorsprung der DDR-Bewohner gegenüber dem Westen war immer beträchtlich ... " Dieser - in einem kulturpolitischen Rahmen vorgetragene - Anspruch 0st versetzt "die westdeutsche Intelligentsia" in jene sonst gern den "Ossis" angemutete Hinterwäldler-Rolle - eine politische Herausforderung als literarisches Kunst-Stück. D. Red. I Von den Verschlüsselungstechniken, die die Literatur unter sozialistischen Bedingungen handhabte, ist manchmal in einer Weise die Rede, als handele es sich um einen Mangel oder eine Einschränkung. Es ist aber ein altehrwürdiges Verfahren; nicht nur der deutschen Klassik war es geläufig. Schiller zum Beispiel faßte den macht- und gesellschaftspolitischen Antagonismus des ausgehenden 18.

Mai 1996

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