Von Karin Priester Als ich vor Jahren nach Italien ging, um an meiner Dissertation zu arbeiten, hatte ich im Handgepäck auch das Empfehlungsschreiben eines deutschen Professors, der als Jude nach 1933 in das faschistische Italien emigriert war. Dort lebte er mehr schlecht als recht, aber unbehelligt von der Übersetzung von Romanen aus dem Italienischen ins Deutsche. "Nur manchmal", sagte er, "mußte ich die Namen ändern. Wenn im Original z.B. Chopin stand, setzte ich Schubert oder Schumann ein." Ein Deutscher jüdischer Abkunft flieht aus dem einen Faschismus in den anderen, wo eine der Maitressen Mussolinis, die Jüdin Margherita Sarfatti, eine renommierte Kunstkritikerin war. Erst ab 1938 verschärfte sich auch in Italien die Lage unter deutschem Einfluß. Der italienische Faschismus war deswegen aber nicht weniger rassistisch, er war nur nicht antisemitisch. Der Rassismus gegenüber den kolonisierten Völkern war, wie in allen imperialistischen Ländern, auch hier gängige Münze und verstand sich als "zivilisatorische Mission", als "des weißen Mannes Bürde", sein "Mühlstein am Hals" (Disraeli) und wurde z.T. auch in sozialistischen Kreisen vertreten.
Die Nachricht, dass dJens Spahn und sein Mann, Daniel Funke, mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden waren, sorgte Mitte Juli bei vielen für Empörung. Bei dem, was eine breite Öffentlichkeit als Doppelmoral diskutierte, geht es um nichts anderes als die Logik, dass sich die Macht von Politik und Geld über Recht und Regeln erhebt.