Ausgabe Januar 1999

Antikommunismus und Antiamerikanismus

Deutsches politisches Bewußtsein nach 1945

Im doppeldeutschen Jubiläumsjahr 1999 legen die beiden Staatsgründungen von 1949, die auch schon der Historisierung anheimfallenden Umwälzungen des Jahres 1989 und der Streit um die geistigen Grundlagen der fortbestehenden Bundesrepublik es nahe, sich intensiver mit der Entwicklung des politischen Bewußtseins nach dem Untergang des Deutschen Reiches zu befassen. Gesine Schwan erörtert im folgenden zwei Grundmuster bundesrepublikanischer "Theorie und Praxis". Ihr Text vermittelt einen ersten Überblick über Basis und Resultate eines mehrjährigen Projekts, das sie mit einer empirischen Befragung abschloß. Das Ergebnis wird im Frühjahr 1999 bei Nomos als Buch erscheinen. - D. Red.

Alte Hasen und sogenannte Realisten in der Politik glauben, daß nichts so sehr zusammenschweißt wie ein gemeinsamer Feind. Entsprechend dieser Devise schien nach 1945 für die neu entstandene westdeutsche Bundesrepublik nicht ein positives demokratisches Bekenntnis, sondern die Gegnerschaft gegen den Kommunismus die gemeinsame ideelle Grundlage zu stiften. Der Antikommunismus galt für eine Reihe von Historikern der Nachkriegszeit als die neue deutsche Staatsräson. Ihm wurde als Pendant und dann doch auch positive Grundeinstellung in der Einschätzung vieler Zeitanalytiker der Proamerikanismus zur Seite gestellt.

Januar 1999

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema