Für die Europäer westlich und östlich des ehemaligen "Eisernen Vorhangs" entstanden aus der Abdankung des osteuropäischen Systems des Sozialismus eine ganze Reihe ganz neuer Probleme. Ihnen eröffneten sich völlig neue Einsichten in die politisch-ökonomische Lage ihres Kontinents und dessen bislang hinter dem ideologischen Schleier von Systemkonfrontation und Kaltem Krieg verborgene - Entwicklungslogik. Marktwirtschaft und Prosperität, die nun nach den Verheißungen des sich fast unwidersprochen zum historischen Sieger erklärenden wilsonistischen "Internationalismus" sofort ungehindert und segenbringend auf ganz Europa hätten übergreifen sollen wie ein mächtiger Fluß nach dem Dammbruch, stießen sofort an scheinbar ganz unmarktwirtschaftliche Grenzen: Die Europäische Gemeinschaft - auf dem Weg zur Europäischen Union - mußte im Osten als mitnichten für jeden offener Club zur Kenntnis genommen werden, offen nicht einmal für die, die guten Willens und bereit sind, Staatseigentum in Privateigentum verwandeln zu lassen.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.