Ein neuer Geist geht um unter Deutschlands Berufspolitikern, und wo er weht, da geschehen kleine Wunder. "In einer Partei, die in 25 Jahren sechs Vorsitzende hatte, kann sich so etwas gar nicht entwickeln", begründet Hans-Peter Bartels, SPD-Abgeordneter im Bundestag, seine Zuversicht, dass im Schoße der Sozialdemokratie ein Zentralismus à la Classic-CDU nicht möglich sei. "Auf unseren Parteitagen hat's immer gekracht", sagt ein Fraktionskollege über den Widerspruchsgeist der Partei, und auch er hört sich zufrieden an. Vor gar nicht langer Zeit war das noch etwas anders. Im vergangenen Jahr stöhnten die beiden jüngeren Sozialdemokraten wie viele andere, die dem Kreis der SPD-"Youngsters" nahestehen, noch über die scheinbar unerschöpfliche Lust ihrer Partei, sich in Debatten über links und rechts, über soziale Gerechtigkeit und Sparpolitik zu zerreissen. Das SPD-Sommertheater mit seiner nicht enden wollenden Kette kontroverser und bisweilen widersprüchlicher Wortmeldungen verfolgten sie mit Grausen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.