Ein neuer Geist geht um unter Deutschlands Berufspolitikern, und wo er weht, da geschehen kleine Wunder. "In einer Partei, die in 25 Jahren sechs Vorsitzende hatte, kann sich so etwas gar nicht entwickeln", begründet Hans-Peter Bartels, SPD-Abgeordneter im Bundestag, seine Zuversicht, dass im Schoße der Sozialdemokratie ein Zentralismus à la Classic-CDU nicht möglich sei. "Auf unseren Parteitagen hat's immer gekracht", sagt ein Fraktionskollege über den Widerspruchsgeist der Partei, und auch er hört sich zufrieden an. Vor gar nicht langer Zeit war das noch etwas anders. Im vergangenen Jahr stöhnten die beiden jüngeren Sozialdemokraten wie viele andere, die dem Kreis der SPD-"Youngsters" nahestehen, noch über die scheinbar unerschöpfliche Lust ihrer Partei, sich in Debatten über links und rechts, über soziale Gerechtigkeit und Sparpolitik zu zerreissen. Das SPD-Sommertheater mit seiner nicht enden wollenden Kette kontroverser und bisweilen widersprüchlicher Wortmeldungen verfolgten sie mit Grausen.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.