Ausgabe November 2007

Unsere ganz alltägliche Vergiftung

Wider die Ohnmacht der Verbraucher

Gammelfleisch im Döner, zu viele Pestizide in Obst, Gemüse und Küchenkräutern – derartige Nachrichten erscheinen uns mittlerweile so alltäglich wie der Wetterbericht. Aber wie kann das sein – haben wir Verbraucher denn keine Rechte?

Im „Handbuch des Lebensmittelrechts“, einem Praxisleitfaden zu den über zehn Kilogramm schweren nahrungsmittelbezogenen Gesetzestexten, steht folgender Kernsatz: „Zweck des Lebensmittelrechts ist seit jeher und in allen Staaten der Schutz des Verbrauchers vor Gesundheitsschäden und vor Täuschung.“ Gegen diesen Satz ist nichts einzuwenden – im Gegenteil: Eindeutiger kann man das Ziel der Gesetze nicht formulieren. Dem vorsorgenden Gesundheitsschutz wird ausdrücklich Priorität eingeräumt. Und weiter heißt es dort: „Das Lebensmittelrecht ist insoweit ein Teil des besonderen Sicherheitsbzw. Ordnungs- bzw. Polizeirechts.“ Das bedeutet: Gibt es ein Lebensmittel, das geeignet ist, uns gesundheitlich zu schädigen oder über seine tatsächliche Beschaffenheit zu täuschen, dürften wir eigentlich darauf zählen, dass es mit polizeilicher Hilfe entfernt wird und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Normen des Lebensmittelrechts versprechen somit ein hohes Schutzniveau. Doch die Gesetzespraxis ist meilenweit von diesen hehren Grundsätzen entfernt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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