Ausgabe August 2010

Was für ein Lebensmensch!

Für einige Tage war der Band verschwunden und halb Kärnten in heller Aufregung: „Wer tut so etwas?“ Den Kritiker aber wundert: Wer schreibt so etwas? Was unter dem Titel „Gästebuch“ daherkommt, parallel zur aktuellen Haider-Ausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum, enttäuscht doch ein wenig, vor allem in der Form.

Der ganze Text ist viel zu schnell dahin geschrieben und streckenweise redundant. Auch ein Haupterzählstrang fehlt gänzlich. Stattdessen finden wir ein Gewirr von Stimmen vor, ein Durcheinander von 112 Erzählern, die nichts Wesentliches zu sagen haben, aber offenbar die Tinte nicht halten konnten: „Danke Jörg!“; „Jörg, du warst einfach super!“; „Ich vermisse dich!“; „Unfassbar, dass du nicht mehr da bist.“ Und nicht zu vergessen: „Hallo Jörg, wir waren hier! […] Alles Gute, wo immer du auch bist.“ Der Leser ahnt, welche Tragödie sich hinter diesen Zeilen verbirgt.

Die Geschichte, die uns hier erzählt wird, beruht auf einer unerhörten Begebenheit, die anderthalb Jahre zurückliegt. Als Ort der Handlung dient jene Gegend Österreichs, wo dem Heimatlied nach „Mannesmut und Frauentreu […] mit Blut die Grenze schrieb“: Kärnten. In einer Oktobernacht fährt der „Lebensmensch“ und Landeshauptmann Jörg H. in den Tod.

Sie haben etwa 27% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 73% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Rechtsradikalismus

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.