Ausgabe Mai 2011

Libyen: Intervention mit Fallstricken

Sich in interne Streitigkeiten eines fremden Landes einzumischen, verlangte schon immer, vorher klug abzuwägen. Stets sind Aspekte der eigenen nationalen Interessen, der Bündnisse und Vertragsverpflichtungen, des globalen Gleichgewichts und des Völkerrechts zu berücksichtigen. Seit dem 20. Jahrhundert stellt sich die Sache noch erheblich komplizierter dar, weil die genannte Kombination um humanitäre Überzeugungen und Erwägungen ergänzt wurde, die sich vor allem der zeitgenössischen Erfahrung mit planmäßiger Grausamkeit und ideologisch motiviertem Genozid während des Zweiten Weltkriegs und danach verdanken.

Eine humanitäre Militärintervention in einem anderen Land, wie sie sehr viele Menschen zur Unterstützung des libyschen Volksaufstandes gegen die groteske Diktatur des Oberst Muammar-al-Gaddafi herbeigewünscht haben, kann von moralischen Überzeugungen beseelt sein (wobei es sich im gegebenen Fall eher ganz einfach um moralische Empörung über die Art und Weise, wie Gaddafi herrscht, handelt); sie kann religiös begründet sein oder in abstrakten Gerechtigkeitsvorstellungen wurzeln, aber auch auf geltendem Völkerrecht fußen.

Sie kann aber auch eine furchtbare Fehlleistung sein.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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