Ausgabe Mai 2011

Der August Bebel der Kritischen Theorie

Laudatio auf Oskar Negt

August Bebel gehört zu den großen Unbekannten der deutschen Geschichte. Bei der Lektüre der Biographien über ihn von Theodor Heuss und Brigitte Seebacher-Brandt fand ich viel, was ich nicht gewusst hatte; aber ich fand nicht das, was ich eigentlich suchte. Theodor Heuss beschreibt wunderschön Bebels „prachtvolle Stimme mit dem kupfernen Ton“. Brigitte Seebacher-Brandt schildert die ungeheuere Wirkung seiner Auftritte: Wie eine tausendköpfige Menge „mit geduckten Häuptern und in Totenstille“ harrt, „die sich in donnernde Hochrufe entlädt, hat Bebel die Tribüne erklommen“. Bebel hätte, heißt es, erzählen können, dass zwei mal zwei fünf ist, und es wäre geglaubt worden. Er war der Arbeiterkaiser, ein glänzender Parlamentarier und glühender Prophet. Er hat die sozialistischen Utopien so volkstümlich darstellen können wie kein anderer, er sah sie zum Greifen nah und er schilderte sie zum Greifen nah – und seine Zuhörer waren so ergriffen, dass sie den Hut vom Kopf nahmen und ehrfürchtig Spalier standen, wenn er nach vier, fünf Stunden Rede und Diskussion den Saal hinausschritt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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