Ausgabe Dezember 2011

Die Ethik der Korruption

Deutsche Unternehmen zahlen selten Schmiergeld“, so oder ähnlich übertitelten viele Zeitungen die Meldungen zur jüngsten Korruptionsstudie der Nichtregierungsorganisation Transparency International (TI). In 28 Ländern hatte die Organisation mithilfe von Befragungen die Bereitschaft von Unternehmen untersucht, Schmiergeld zu bezahlen. Deutschland belegt hier Rang vier jener Nationen, in denen laut Studie besonders selten bestochen wird. Auch im sogenannten Korruptions-Wahrnehmungsindex, den die Organisation jährlich veröffentlicht, schneidet die Bundesrepublik gut ab.Hierfür befragt TI Experten danach, inwieweit sie Beamte und Politiker für bestechlich halten. Drei Viertel der insgesamt 178 untersuchten Länder nahmen die Experten der Studie im Jahr 2010 als tendenziell eher korrupt wahr. Die Länder mit den besten Werten sind Dänemark, Neuseeland und Singapur – Deutschland findet sich immerhin auf Platz 15.[1]

Ist Korruption also nur ein Problem der Anderen? Davon könne keine Rede sein, machte Edda Müller, die Vorsitzende von TI, gleichwohl auf der Pressekonferenz zum Thema deutlich: Die Bundesrepublik erreiche lediglich dieselben Werte wie vor drei Jahren – und das trotz zahlreicher Skandale in dieser Zeit. Denn auch deutsche Unternehmen fallen noch immer auf, weil sie Großaufträge über Korruption erlangt haben sollen.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema