Ausgabe März 2012

Waffen für alle: Das Geschäft mit dem Tod

Als im August vergangenen Jahres libysche Rebellen die Residenz von Muammar al-Gaddafi in Tripolis stürmten, fielen ihnen Sturmgewehre des Typs G36 des schwäbischen Herstellers Heckler & Koch in die Hände – zum Teil noch originalverpackt und mit Handbuch. Stolz posierten sie mit ihrer Beute vor den Kameras westlicher Medien.

Einen legalen Weg dieser Waffen nach Libyen gab es nicht. Für die nachweislich in Deutschland hergestellten Gewehre hatte das für die Genehmigung von Rüstungsexporten zuständige Bundesamt für Ausfuhrwirtschaft dem Hersteller keine Exportgenehmigung nach Libyen erteilt. Bis heute ist unklar, wie die G36 in den Besitz von Gaddafi und seiner Schergen kam.

Skandale wie dieser erschüttern in gewisser Regelmäßigkeit die deutsche Öffentlichkeit und werfen dabei auch ein grelles Licht auf all die anderen legalen Exporte von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern in die ganze Welt. Seit Jahren listet das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) Deutschland als den drittgrößten Exporteur von Rüstungsgütern, hinter den USA und Russland, aber noch vor Frankreich und Großbritannien, die lange Jahre einen größeren Anteil am globalen Waffenhandel hielten.

Im Jahr 2010 genehmigte die Bundesregierung Rüstungsausfuhren im Wert von 5,5 Mrd. Euro, 16 145 Einzelausfuhrgenehmigungen wurden erteilt.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema